Smarte Wohnraumlüftung: Konzept

In einem der letzten Beiträge habe ich erläutert welche Lüftungssysteme man generell unterscheidet und für welches wir uns entschieden haben (dezentrale Lüftung, Modell RL 50RAS). Den Lüfter selbst habe ich so gewählt, dass dieser größtenteils autark laufen kann. Dies gelingt aufgrund der integrierten Feuchtigkeits- und Helligkeitssensoren, die die passenden Geschwindigkeitsstufen anhand der Luftfeuchtigkeit und anhand der Helligkeit (leiser Nachtmodus) festlegen. Dennoch würde ich den Lüfter gerne in unser Smart Home integrieren, um einige Komfortfunktionen realisieren zu können. Folgende Szenarien stelle ich mir dabei vor:

1.) Einschlafphase

Der Lüfter ist zwar einer der leisesten am Markt, dennoch hört man Ihn bei absoluter Stille. Daher würde ich den Lüfter gerne beim Schlafengehen für eine Stunde deaktivieren, bis man eingeschlafen ist. Anschließend soll er im leisen Nachtmodus (Geschwindigkeitsstufe 1) weiterlaufen.

2.) Sommerbetrieb

Im Sommer werden tagsüber bei hohen Temperaturen (Steuerung anhand der Globalstrahlung) die Rollläden zur Beschattung heruntergefahren. Im selben Zug sollte die Lüftung zeitweise deaktiviert werden, um darüber nicht unnötig warme Luft ins Haus zu befördern. Umgekehrt soll in den Abendstunden möglichst viel kühle Außenluft in die Räume geblasen werden.

3.) Gruppenschaltung

Jeder der Lüfter arbeitet für sich autark. Über ein zusätzliches Kabel können zwei oder mehr Lüfter auch in den Master-/Slave-Modus versetzt werden. Somit bläst der erste Lüfter (Master) die Luft nach innen und alle Anderen (Slaves) blasen nach außen. Alle 70 Sekunden wechselt dann die Richtung. Die Verschaltung von mehreren Lüftern ist generell sinnvoll, da so ein Durchzug (auch unter den Türen hindurch) entsteht und dadurch der Luftaustausch besser stattfinden kann. Die feste Verkabelung der Geräte ist jedoch unflexibel. Sinnvoller wäre es, könnte man eigene, flexible Gruppen von Geräten definieren und so z.B. im OG alle Geräte auf der Ostseite nach innen und auf der Westseite nach außen blasen lassen. Wird ein Gerät, z.B.  durch die Einschlafphasen-Schaltung, deaktiviert, spielt dies keine Rolle oder ein Anderes kann einspringen.

 

Leider gibt es aktuell keine Möglichkeit der Einbindung des Lüfters in Smart Home Systeme. Es gibt aber für jedes Gerät eine kleine Infrarot Fernbedienung mit der es ein oder ausgeschaltet, die Geschwindigkeitsstufen, der Zu- oder Abluftbetrieb oder der Nachtbetrieb eingestellt werden kann. Mit diesem Wissen im Hinterkopf bin ich im Internet vor kurzem auf ein interessantes Projekt gestoßen: ESP8266-HTTP-IR-Blaster V3

Dieses Softwareprojekt läuft auf einer kleinen, günstigen Mikrocontroller-Hardware inkl. WLAN Modul (NodeMCU) und emuliert eine beliebige Fernbedienung. Dazu wird eine IR-Sendediode und eine IR-Empfangsdiode angeschlossen. Die passenden IR-Befehle werden dann per HTTP-API ausgeliefert bzw. entgegen genommen. So kann man im ersten Schritt die Befehle einer Fernbedienung auslesen und zu einem späteren Zeitpunkt, abhängig von verschiedenen Parametern (siehe die zuvor beschriebenen Szenarien), wieder senden. Mein Plan ist es an jedem Lüfter einen dieser mini IR-Blaster möglichst unauffällig zu montieren und somit die Einbindung der Geräte in das Smart Home zu realisieren. Dadurch dass die Geräte über WLAN ansteuerbar sind, sind außer einer Stromversorgung keinerlei weitere Kabel oder sonstige Komponenten notwendig. In den nächsten Beiträgen schreibe ich die passenden Anleitungen für die zugehörige Hard- und Softwarekonfiguration.

 

Smarte Wohnraumlüftung: Konzept
Smarte Wohnraumlüftung: Hardware
Smarte Wohnraumlüftung: Programmierung
Smarte Wohnraumlüftung: WLAN einrichten
Smarte Wohnraumlüftung: IR-Befehle senden/empfangen

10 Kommentare

  • Torsten

    Hallo,
    ein sehr spannendes und durchdachtes Konzept. Wir planen in unserem Neubau ebenfalls eine dezentrale Lüftung auf Basis der RL50RAS. Mich würde daher sehr interessieren, wie die Vorbereitung für die Integration der Lüftungsgeräte in der Rohbauphase aussah.
    Wurden nach dem Mauern Kernbohrungen vorgenommen oder fertige Wandeinbaublöcke verwendet?
    Danke und Gruß

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    • Admin

      Hi, tatsächlich muss ich gestehen dass wir uns nun doch für andere Lüfter entschieden haben. Da wir die Chance bekamen selbst Leitungen verlegen zu dürfen, sind wir nun nicht mehr auf Funk angewiesen. Die Steuerung über Kabel ist einfach zuverlässiger als über Funk und ich muss nicht den Weg über die selbstgebauten Sender/Empfänger gehen. Aber zurück zu deiner Frage, auch bei den anderen Lüftern ist natürlich ein Loch in der Wand notwendig. Dies haben wir durch Kernbohrungen realisiert, in die dann Rohre mit Montagekleber geklebt wurden. Die Rohre wurden dann innen und außen bündig mit dem Putz abgeschnitten (vom Gipser) und darauf kommen dann die Schutzhauben. Über die neuen Lüfter werde ich in 1-2 Monaten nochmal genauer schreiben, wenn diese dann auch in Betrieb sind. Aktuell sind wir noch in der Bauphase.

      Gruß Hannes

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      • Steffi

        Hallo Hannes,
        auch wir suchen die für unsere Ansprüche optimale dezentrale Wohnraumlüftung für unseren geplanten Neubau. Sind dabei auf raumluft-shop.de, den RL 50RAS und schließlich auf deine Seite gestoßen… nun würde uns interessieren, weshalb ihr euch doch nicht für diesen und für welchen anderen ihr euch entschieden habt.

        Beste Grüße,

        Steffi

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        • Admin

          Hi Steffi, wie einen Post weiter oben geschrieben, liegt es daran, dass wir nun doch Leitungen legen dürfen. Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass wir bei unserem Bauträger keine eigenen Elektroleitungen verlegen dürfen. Dadurch wäre es am günstigsten gewesen, den Elektriker damit zu beauftragen 230V an die Lüfter zu legen und dann die Steuerung per Funk (siehe weitere Blogartikel) durchzuführen. Funk hat aber immer den Nachteil, dass es störanfälliger ist als eine fest verkabelte Lösung. Die saubere Einbindung in unser Smart Home war mir aber wichtig und daher haben wir jetzt doch zu anderen Lüftern gegriffen, bei denen die Steuerung über eine Leitung möglich ist. Dies bedeutet nicht, dass die RL 50RAS Lüfter schlecht sind aber für uns auf Grund der Funksteuerung einfach nicht mehr das richtige Produkt. Ich hatte testweise ein RL 50RAS Gerät bei uns zu Hause und war ansonsten damit sehr zufrieden. Über die neuen Lüfter werde ich in 1-2 Monaten nochmal genauer schreiben, wenn diese dann auch in Betrieb sind. Aktuell sind wir noch in der Bauphase.

          Gruß Hannes

          Antworten
          • Steffi

            Hallo Hannes, 2 Monate sind vergangen und ich wollte nachfragen, ob du verraten magst, für welche Lüfter ihr euch entschieden habt und wie eure ersten Erfahrungen damit sind. Bei uns beginnen Ende des Monats die Maurerarbeiten und wir müssen uns dringend entscheiden-auch ob wir ggf. etwaige Kernbohrungen umgehen können… Viele Grüße, Steffi

  • Admin

    Hi Steffi, entschieden haben wir uns für die Luki Lüfter von Enovento (http://www.luki.enovento.de/) . Die Kernbohrung umgehen kannst du bei einer dezentralen Lüftung aber generell nicht, irgendwoher muss die Luft ja kommen. Einzige Alternative wäre eine zentrale Lüftungsanlage, dort hat man dann nur jeweils einen Zu-/Abluftkanal nach außen. Bisher haben wir aber nur die Rohbausets (Rohr + Außenblende) eingebaut, da unser Haus noch nicht ganz fertig ist. Erst wenn dies fertig ist, bestellen wir dann auch die eigentlichen Lüfter die dann nur in das Rohr eingeschoben werden. Ein Freund von uns hat die Lüfter aber bereits im Einsatz und ist zufrieden damit.

    Die Lüfter sind sehr leise und können über ein Steuergerät gruppiert (maximal 4) werden. Allerdings muss ich darauf hinweisen, dass sowohl der Freund wie auch wir die Lüfter später an einer eigenen Steuerung (selbst entwickelt) betreiben werden, da wir diese dann in’s Smart Home einbinden wollen. Ist aber natürlich nicht notwendig, da es von Enovento ebenfalls eine Steuerung gibt. Ruf dort einfach mal an und sag Herrn Buchsdrücker einen Gruß von mir 😉 Preislich schenkt es sich nichts zu den RL50RAS, bei den Funktionen unterscheidet es sich dadurch, dass die Steuerung nicht durch Funk sondern mittels Kabeln angebunden ist. Die Optik ist natürlich Geschmackssache, hier hat uns der Luki etwas besser gefallen, da er nicht so stark aufbaut.

    Gruß Hannes

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  • Steffi

    Hallo Hannes, vielen lieben Dank für deine Empfehlung. Soweit ich es verstanden habe, könnte man mit einem Montagestein die Kernbohrung umgehen? Wird auch von enovento mit angeboten. Viele Grüße, Steffi

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    • Admin

      Hallo Steffi, tatsächlich kann man den Montagestein für die Lüfter verwenden. Preislich waren die Kosten nachher aber bei uns gleichhoch für Montagesteine und Kernbohrungen. Die Kernbohrung war uns dann lieber, da es zum einen keinen Materialwechsel in der Wand gibt und das Mauerwerk vermutlich die Lüftergeräusche besser isoliert. Generell funktioniert aber bestimmt beides gut.

      Gruß Hannes

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  • hans larsen

    Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen. Der Luki ist doch ein Getair-Gerät soweit ich das beurteilen kann. Sieht optisch auch identisch aus. Dieses bin ich gerade am testen. Ich muss aber ehrlich gestehen, dass ich bei dem Preis von 650 Euro bei der Funktionalität mehr erhofft habe. Mein Monteur hat mir gesagt ich solle bei dem Preis eher ein Lunos E2 nehmen. Habt Ihr den Lunos schon getestet?

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    • Admin

      Tatsächlich handelt es sich glaube ich um GetAir Geräte mit leichter Modifikation. Allerdings liegt der Preis ja deutlich unter den 650€. Was kann denn die Lunos mehr/besser als der Luki von Enovento? Uns ging es vor allem um die Lautstärke, diese ist beim Luki geringer. Zur Steuerung selbst kann ich nicht viel sagen, da wir diese selbst bauen und in das Smart Home integrieren werden.

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