Wandaufbau

Wie der Wandaufbau bei unserem neuen Haus aussehen soll, war für uns eine der wichtigsten Fragen. Mit der Recherche dazu habe ich prozentual gesehen bisher bestimmt am meisten Zeit verbracht. Aber wieso das Ganze?

Am Markt gibt es zahlreiche Hausanbieter und damit verbunden zahlreiche Bauarten. Angefangen vom klassischen Massivbau mit Ziegelsteinen (Hochlochziegel), über Fertighäuser mit Ihren verschiedenen Aufbauten, bis hin zu Holzhäusern oder Betonwänden. Aber was ist nun das Richtige für einen? Das muss wohl jeder für sich entscheiden, hier spielen neben harten Fakten auch subjektives Empfinden eine Rolle.

Unsere Kriterien und Ergebnisse der Recherchen haben wir hier zusammengetragen:

Fertighaus

Die Anzahl der Fertighausanbieter ist riesig. Im Internet, in Musterhausparks oder Zeitschriften findet man Unmengen an Unternehmen. Der Wandaufbau unterscheidet sich in einzelnen Punkten, generell handelt es sich aber meistens um eine sogenannte Holzständerbauweise. Dabei werden die Balken im Fachwerk verbaut und mit Platten versteift. Zwischen und auf die Balken kommen dann verschiedene Dämmstoffe (Polystyrol, Mineralfaser, Zellulose, …) und Platten (Gipskartonplatten, Holzwerkstoffplatten, Mineralfaserplatten, …) zum Einsatz. Vereinzelt findet man auch eine Installationsebene für die Elektrik oder Wasserinstallation. Der Putz wird dann anschließend auf die innere und äußere Platte direkt oder mit Gewebe aufgebracht.

Diese Bauweise erlaubt es den Herstellern die einzelnen Wände bereits im Werk vorzufertigen und anschließend das Haus in kurzer Zeit (meist 2-3 Tage) am eigentlichen Aufstellungsort aufzubauen. Die industrielle Fertigung reduziert die Kosten und ist gut planbar, da z.B. keine Abhängigkeit vom Wetter bei der Erstellung besteht. Ebenso entfallen Trocknungszeiten, wodurch die Bauphase an sich deutlich kürzer ausfällt.

Die Dämmwerte (Wärmeleitfähigkeit in W/(m*K)) sind zum großen Teil ebenfalls sehr gut, da durch den Einsatz von Dämmstoffen wie XPS, EPS usw. geforderte Normen der EnEV 2016 oder für KfW-Bauten leicht erreicht werden. Ebenso gibt es heutzutage hohe Brandschutzanforderungen, die von allen Anbietern eingehalten werden müssen.

Beim Thema Schallschutz hingegen schneidet der Fertighausbau im Vergleich zum Massivhaus schlechter ab, da der Schallschutz hauptsächlich durch Masse (Rohdichte) der Wände entsteht. Da Fertighäuser aber deutlich leichter sind, entsteht hier ein Nachteil.

Der Dämmwert sagt aus wie viel Energie das Haus über einen bestimmten Zeitraum an die Umwelt abgibt/verliert. Dieser Wert ist vor allem im Winter wichtig, damit die Heizungswärme nicht zu schnell entweicht. Die Phasenverschiebung hingegen gibt an wie schnell (Angabe in Stunden) im Sommer die Hitze von außen nach innen gelangt. Leichte Baustoffe, die beim Fertighausbau oftmals eingesetzt werden, können die Wärmeenergie schlecht speichern und leiten diese dann schneller in den Innenraum weiter. Optimal ist eine Phasenverschiebung von >10-12 Stunden, da man dann davon ausgehen kann, dass in den kühlen Abendstunden die Wärme wieder durch Lüften abgeführt werden kann.

Es gibt auch ökologische Fertighäuser. Diese Fertighäuser setzen keinerlei bedenkliche Stoffe ein und werden lediglich mit Holz, Cellulose und anderen unbedenklichen Baustoffen erstellt. Leider spiegelt sich dies oft auch im Preis wieder. Dennoch wollen wir hier lobenswert den Anbieter Hagemann erwähnen.

Massivhaus

Massivhäuser werden im Regelfall Stein auf Stein gemauert. Die am häufigsten verwendeten Steine sind Porenbeton (auch bekannt unter dem Markennamen Ytong) und Hochlochziegel. Kalksandstein oder Beton spielen eher eine untergeordnete Rolle. Generell werden die Steine ganz normal gemauert und anschließend innen und außen direkt verputzt. Die Dämmung entsteht durch Lufteinschlüsse im Stein. Als Richtwert kann man sagen, je dicker der Stein (24cm, 36,5cm, 42cm, …) umso besser sind die Dämmwerte, der Schallschutz und die Phasenverschiebung. Allerdings steigt natürlich mit der Dicke auch der Preis.

Einen großen Unterschied gibt es bei genauer Betrachtung der beiden Steine nicht mehr. Durch die immer schärferen Gesetze und Regelungen der EnEV hat sich über die Jahre hinweg der Anteil an Aussparungen im Hochlochziegel vergrößert. Dies ist nötig da sich dadurch mehr Luft in den Zwischenräumen befindet und Luft ist der beste Isolator. Dadurch können bessere U-Werte erreicht werden. Porenbeton besteht neben Kalk, Wasser und Quarzsand vor allem aus kleinen Lufteinschlüssen. Deshalb werden hier ebenfalls gute U-Werte erreicht.

Beim Thema Schallschutz und Phasenverschiebung schneidet der Massivhausbau im Regelfall deutlich besser ab als der Fertighausbau, da die Rohdichte deutlich höher ist.

Durch die Verwendung von Ziegel- oder Porenbetonsteinen muss eine gewisse Trocknungszeit eingerechnet werden. Die Steine selbst können Wasser aufnehmen, dass erst wieder über eine längere Zeit abgegeben wird. Diese Bauweise verlängert die Bauphase um einige Monate. Die Verarbeitung von Porenbeton ist leichter, da die Plansteine leichter zugeschnitten und aufgrund der Größe schneller verarbeitet werden können.

Beim sogenannten WDVS (Wärmedämmverbundsystem) wird eine zusätzliche Dämmschicht (Dämmplatten) außen auf dem Mauerwerk angebracht. Dadurch werden bessere Dämmwerte erreicht. Diese Art der Dämmung ist günstig, leider kauft man sich dadurch unangenehme Effekte ein. Der Brandschutz (siehe Video) ist meiner Meinung nach mehr als bedenklich. Eindringende Feuchtigkeit kann nicht oder nur schlecht abgeführt werden und resultiert gerne in Algenbildung an der Fassade. Dies hat die Industrie bemerkt und setzt auf Fungizide in den Dämmplatten. Leider waschen sich die Fungizide aber über die Jahre aus und belasten den Boden. Ebenso ist bereits jetzt unklar wie die Dämmplatten später entsorgt werden müssen. Die Entsorgung muss aktuell als Sondermüll erfolgen. Ein Hauptgrund für die Verwendung von WDVS im Neubau/bei Renovierungen ist der Kostenfaktor, die Polystyrolplatten sind günstig. Wer sich aber länger mit dem Thema beschäftigt wird merken, dass der Einsatz mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringt. Daher wollten wir kein WDVS und keinerlei Polystyrol in und auf unserer Wand.

Der Vollständigkeit halber muss noch erwähnt werden dass es auch gedämmte Hochlochziegel gibt. Dazu werden die innen liegenden Aussparungen gefüllt mit Perlit, Mineralwolle oder anderen Stoffen. Allerdings gibt es hier ähnliche Bedenken wie bei WDVS. Vor allem die Entsorgung und die Feuchtigkeitsproblematik spielen eine Rolle. Zusätzlich sind die Kosten relativ hoch, daher haben wir davon Abstand genommen.

 

Entscheidung

Wir sind unvoreingenommen an das Thema Wandaufbau gegangen, haben viel gelesen und viele Gespräche geführt. Dabei sind wir zum Entschluss gekommen dass wir vor allem unbedenkliche Baustoffe verwenden wollen. Ebenso sollten sich die Baustoffe bereits bewährt haben, wir wollen nicht das Versuchskaninchen der Bauindustrie spielen. Was blieb übrig: Ökologischer Fertighausbau oder Massivhausbau. Der ökologische Massivhausbau musste leider aufgrund des erhöhten Preises aussortiert werden. Übrig blieben noch der Massivhausbau mit Hochlochziegeln und Ytong. Beide Steine haben ihre Vor- und Nachteile, sind aber bereits seit Jahrzehnten im Einsatz und unbedenklich bezüglich der Inhaltsstoffe. Am Schluss haben wir uns für Ytong entschieden da wir mit Town & Country einen Bauunternehmer gefunden haben bei dem das Gesamtpaket gepasst hat. Wir haben lediglich die Wandstärke von 24cm auf 36,5cm angepasst um für uns ausreichende Dämm- und Schallschutzwerte zu erhalten.

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